It is my destination, but certainly not a pleasant city…

March 11, 2010 at 17:56 Leave a comment

Gaborone, im Volksmund Gabs, ist so aufregend, dass ich auf der Couch sitze und den herumliegenden Lonely Planet Botswana & Namibia zur Hand nehme. In der Einführung zu Gaborone steht folgendes sehr kurz in Worte gefasst: “Gaborone might not be a thing of beauty, but the most Batswana [einheimische Bevölkerung], it is the modern face of the nation. […] Of course, Gaborone will never be a destination, but it’s certainly a pleasant city. While some visitors despair of its lack of character and geographical heart, Gaborone is smaller, safer, cleaner and far less polluted than any other capital in Southern Africa.”

Market Square

Für den, der Botswana geographisch nicht so recht zuordnen kann, eine kurze Lagebeschreibung: Das Land fügt sich perfekt ein zwischen Namibia, Südafrika, Zimbabwe, Sambia und Angola, da das englische Protektorat einst bei den Grenzziehungen mit den Deutschen und Franzosen darauf geachtet hat, die Silhouette des ahnungslosen Abraham „Grampa“ Simpson entlang der Flüsse Shashe, Lotsane und Molopos nachzuziehen. Vielleicht waren auch die begrenzten Wasserressourcen in der Gegend ausschlaggebend. Nach tagelanger Schwüle hat es heute endlich richtig geregnet. Auf einheimisch heißt das, “es hat Pula gegeben”.

Pula Gate

Botswana ist das Vorzeigebild afrikanischer Demokratien und die Batswana präsentieren sich sehr selbstbewusst. Die Leute hier machen weniger den Eindruck der althergebrachten Unterwürfigkeit gegenüber einem Weißen. Ganz im Gegenteil, weniger Diskussionsfreude gegenüber einzuhaltende Regeln, direkter Blickkontakt und sogar Belustigung über meine Argumentationsfreude kommt auf. Politiker in Gabs scheinen mir professioneller als ihre Kollegen in Windhoek. Letztere empfinden ihre Langatmigkeit und inhaltsleeren Aussagen entweder als Weise oder sie sind einfach langsamer.

Future of the cow

Bisher gab es keine Klagen, dass die längste afrikanische Demokratie scheitern könnte. Doch vielen stellt sich die Frage, was ist das für eine Demokratie, in der es seither keine andere Partei an der Regierung gegeben hat, als die damals von den Engländern quasi-eingesetzte und de facto gewählte Botswana Democratic Party (BDP). Einige im Land und in der Regierungspartei werden unzufrieden mit dem autokratischen Präsidenten Khama, dessen Vater 1966 das Land von den Engländern übernahm. Heute Morgen wurde im Radio über eine Gruppe abtrünniger jüngerer Parteimitglieder berichtet, sie wollen eine neue Partei gründen und als Leitlinie institutionelle Reformen programmatisieren. Ob der Machtopportunismus bei der Bevölkerung ankommt oder im Laufe der Zeit in Inhalte für die Bevölkerung umgewandelt wird, wird man erst in der Wahlkampagne 2014 sehen, da die jüngsten Wahlen letztes Jahr stattfanden. Es gibt der neuen Partei jedenfalls die Zeit notwendige Organisationsstrukturen aufzubauen, um nicht gleich wieder unterzugehen, wie so viele Splitterparteien im südlichen Afrika in den letzten 20 Jahren.

Child of Gaborone

Westliche Regierungen sind recht zufrieden mit dem Präsidenten Khama, wenn er als einziger in der Afrikanischen Union und Southern African Developement Community (SADC) Mugabe aus dem Nachbarland Zimbabwe zurechtweist. Neuerdings schlägt auch die südafrikanische Regierung unter Zuma neue und etwas Mugabe-kritische Töne an. Sein Vorgänger der abgewählte T. Mbeki konnte den autokratischen Stil als Student in Moskau lernen und hat Mugabe für den Erfolg bestaunt, meinen Kritiker und bewerten den neuen Kurs positiv. Eine Woche später feiert Zumas “Freund” und Anführer des jungen ANC Julius Malema den Parteitag der Mugabe-Partei ZANU-PF im Rahmen der Unabhägigkeitsfeierlichkeiten in Harare.

Red China Memorial

Auch die Oppenheimers und ihr DeBeers Imperium waren immer recht zufrieden mit dem Nutzen aus ihren Parteispenden an die Regierungspartei. Heute sitzt die Firma immer noch auf drei geschlossenen Mienen samt geräumter Verwaltungsgebäude, die sie seit 2009 schon längst verkaufen wollte. A Diamond is forever, aber die Förderung in den Minen einmalig. Vielleicht haben die Chinesen Interesse sowohl an den Mienen, als auch an großzügigen Wahlkampfspenden. So wie sie zum Beispiel an die südafrikanische Regierungspartei den ANC gespendet haben, damit der temporäre Beisitzer im UN-Sicherheitsrat niemals tabu zu Chinas Positionen sagen möge.

Progress

Es kündigt sich das an, was mir über die anderen sub-sahara Ländern bereits erzählt wurde. Die Chinesen sind da! In Windhoek machen sich Nordkoreaner am Museum für “Independence” zu schaffen. Hier und anderswo sind es Chinesen, die den Einheimischen Handlangerjobs überlassen, während sie im großen Stil Arbeitskräfte nach Afrika exportieren für den Bau von Infrastruktur. Kein Projekt ist zu groß oder zu klein. Das ist eigentlich keine gute Basis für Gewerkschaften in der Zusammenarbeit mit der Regierung, aber die Gewerkschaften werden angeblich ebenfalls mit Geld ruhiggestellt. Über die Heerschar europäischer Expats, Entsendeter einer Firma, ist man im Großraum Südliches Afrika weniger skeptisch, selbst die schwarze Bevölkerung nicht. Ist der Mensch nur ein Gewohnheitstier? Im östlichen Teil Gabs baut die China Civil Engineering ein Bürogebäude nach dem anderen und übergroße Präsidentenstatuen nach rot-chinesischem Vorbild. Trotz Erfüllung der Träume schlafloser Nächte von Regierungsmitgliedern oder vielleicht gerade aufgrund des vorbeiregierens an der Bevölkerung, fühlen sich viele Batswana ein weiteres Mal in ihrer Geschichte unterprivilegiert, schlicht herabgesetzt. Ein weiteres Mal kommt eine andere Nation in diese Länder und diktiert was zu tun ist. Allerdings kommen die Erträge aus dem Rohstoffabbau der breiten Bevölkerung in Botswana eher zugute, als das in anderen afrikanischen Staaten der Fall zu sein scheint. In Gabs Chinatown wird die ferne Sprache gesprochen. Von Assimilation ist hier so viel die Rede, wie im japanischen Viertel nahe Düsseldorf und beim deutschen Bäcker oder Metzger in Pretoria.

Golden President Khama

Vereinzelt sind auf der Straße und in Shopping-Malls Soldaten und schwerbewaffnete Polizisten zu sehen. Mein Interviewpartner von der politischen Opposition schaut sich nervös bei jedem Wort über den Präsidenten um, ob nicht irgendwo ein Geheimdienstler im Café herumläuft. Der nunmehr von der Polizei losgelöste Geheimdienst wurde mit dem Präsidenten “His Excellence Lieutenant Khama” gleich mitgewählt und macht seit dem 1. April 2008 freie Äußerungen unsicherer. Der Präsident hat Machtbefugnisse und Immunität, die es ihm ermöglichen Leute innerhalb von 24 Stunden auszuweisen, so wie einen australischen Politikwissenschaftler, der unbeliebt wurde. Unliebsame Batswana hingegen werden irgendwo umgelegt bzw. von wilden Tieren samt Mageninhalt zerfleischt. So zumindest ranken sich die Gerüchte der linken Opposition zu dieser Institution. Die Regierungspartei argumentiert zum einen mit den kriminellen Emigranten aus Zimabwe, die militärisch gut ausgebildet nun als Streuner ihre Nachbarschaft ausrauben – natürlich ohne offizielle Papiere, um die Nationalität nicht eindeutig feststellen zu können. Und gerade erst wurde wieder ein Polizist zu Grabe getragen, den es trotz innerstaatlicher Militärpräsenz im Einsatz erwischt hatte. Zum anderen argumentiert die Regierungspartei mit dem drohenden internationalen Terrorismus gerade im Hinblick auf die WM. Man erfreute sich sogar schon über den Besuch des weltweit geschätzten FBI.

Parliament Ceremony

Wenigstens in diesem Punkt nimmt das Land dann doch irgendwie an diesem gesamtafrikanischen Großevent teil. Namibia hingegen hatte sich zusätzlich noch als Trainingsstätte einer Nationalmannschaft beworben. Aber in beiden Ländern, wie auch in den anderen, gibt es keine begeisterungsstiftenden Sportinitiativen, wie zum Beispiel ein in Südafrika eingeführter „Soccer-Friday“, zu dem alle Mitarbeiter im Sportdress ins Büro kommen. Einige hatten gleich eine Vollausstattung von Kopf bis Fuß, mit Kapitänsbinde und Stollenschuhen dabei. Ausschließlich die Hauptsponsoren, allen voran Coca-Cola, transportieren das Fußballevent über ihre einheitliche Werbung in die Nachbarstaaten. Nicht einmal Vuvuzelas lassen sich auf den Straßenmärkten finden. Vielleicht ist es auch die Unfähigkeit auf den Zug aufzuspringen, der selbst in Südafrika nicht gerade unter Volldampf fährt, wenn man sich in den ländlichen Regionen umschaut. In Windhoek hofft man darauf, dass einige Südafrikaner die Zeit zum Reisen nutzen, um dem Trubel zu entgehen, aber der Trubel wird sich in diesem großen Südafrika verlaufen und die, die ihr Haus in der Zeit vermieten, ziehen zu Verwandten und Bekannten oder zurück in ihr Eigentum, und schmeißen arme Studentinnen aus ihrer WG in Kapstadt.

Landscape

Korruption in Afrika habe ich in Gabs zum ersten Mal am eigenen Leib erfahren. Ein offizieller Regierungsangestellter in Sicherheitsuniform  hat mich im Auto angehalten und es war eine Frage des “Verhandlungsgeschicks” nicht 500 Pula sondern nur 100 Pula vor Ort zu zahlen, letztlich etwa 10 Euro. Ich wurde von ihm mit dem Handy am Steuer erwischt, aber er ist eben kein Verkehrspolizist und hatte somit auch keinen Strafzettelblock dabei, auf dem er mich notieren konnte und mich zum Bezahlen zur nächsten Wache schicken konnte. Dass Korruption an der Basis ankommt, liegt erstens an den Vorbildern in den Eliten, zweitens schwappt es aus an den umliegenden Vorreiterstaaten über, denn „es scheint ja zu klappen“, denkt man sich hier eben. Und drittens gibt es eine hohe Bereitschaft der Übeltäter die seit neuestem gültigen extrem hohen Bußgelder erheblich zu reduzieren. Offiziell kostet telefonieren am Steuer 5000 Pula.

China Civil Construction Company

Wiederholt fahre ich an den Vorstadt-Townships vorbei. Privilegiert wie ich bin, halte ich kurz an, schieß’ ein Foto und fahr davon. Der Szenenwechsel mit 60 Km/h zwischen modernen Luxusgeschäften und purer Armut eine Straße weiter, lässt mich weniger ruhig als noch in Südafrika, wo man kaum an solche Orte gerät, wenn man nicht will. Hier führen die Straßen von einem Termin zum anderen durch alle Realitäten. Auffällig ist dabei die Verbindungsstraße Independence Avenue, die in Windhoek, Gaborone und Lusaka beide Extreme, Armut und Shopping-Reichtum, miteinander verbindet.

Living conditions

Gaborone will never be a destination, weil die Schönheit der Natur bisher in keiner Stadt zu finden war. Sehr nahe umliegend befinden sich große Game und Nature Reserves, die es allemal mehr wert sind, besucht zu werden. Leider kann ich die scheinbar unberührte Natur nur von der Autobahn aus genießen, als die Wagenkolone von der Polizei vollständig gestoppt wird, um Kondome an die Insassen auszuteilen. In öffentlichen Gebäuden und kampagnenbeteiligten Firmen ist es üblich kostenlose Kondomspender auf den Toiletten zu haben, doch die sind nie aufgefüllt oder immer vergriffen – je nachdem, ob man der Meinung ist, dass die Leute hier verantwortungsvoll mit dem Thema HIV / AIDS umgehen. Dort wo Verwaltungspersonal zur Toilette geht, sind die Spender immer überfüllt und es ist sogar Toilettenpapier vorhanden.

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Hektische Zeiten in Windhoek Hitzefrei für alle am Indischen Ozean!

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This blog is about countries of the Southern African Development Community (SADC) regarding societies, political parties and policies. Most interest will be spent on the countries: Botswana, Malawi, Mozambique, Namibia, South Africa and Zambia.

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