In Kapstadt weht ein anderer Wind

March 2, 2010 at 09:00 Leave a comment

Südafrika aus der Vogelperspektive kann seine Gegensätze nicht verbergen. Auffällig in dieser Jahreszeit ist das saftige Grün der kreisförmigen Plantagen und der Gärten in gutbürgerlichen und besseren Wohngegenden. Während die Sonne sich dort im hauseigenen Swimming-Pool spiegelt, funkeln in den Townships die Wellblechhütten und statt saftigem Grün, umrandet staubige rot-braune Erde die Häuser.

City Market of Cape Town

Allgemein gesprochen, fühlt sich die Gegend am äußersten Kap an, wie ein anderes Land auf einem anderen Kontinent. Auch die Einwohner reden über Afrika als wenn es woanders liegen würde. Südafrika-Touristen haben selten etwas anderes vom Land gesehen als die Küstenlinie.

Kauai Restaurant

Heute bin ich ein weiteres Mal im Parlament und hoffe, noch den ein oder anderen für ein Interview zu treffen. Das Sicherheitssystem des Parlaments ist wirklich hart zu überwinden. Wenn du einmal eingecheckt hast und einen Tagesausweis in der Hand hältst, kannst Du rein und raus, wie es Dir gefällt. Das macht das Leben einfacher, schließlich ist die Hitze hier unten schon sehr erschöpfend. Südafrika ist alles andere als europäisch überreguliert. Das ist einerseits gut im täglichen Leben mit Behörden, andererseits fördert es auch Korruption in öffentlichen Ämtern. Bereicherung im Amt ist auch ein Thema der politischen Debatte im Parlament, wo die Opposition beklagt, dass nun nicht mehr nur Geld verschwindet, sondern man schon gar nicht mehr weiß, wo ganze Kassen sind. Das Gelächter ist groß, als ein Mitglied der Regierungspartei ANC von Integrität in ihrer Partei spricht.

City Church

Während Studenten des letzten Jahres auf dem UCT Campus eine Boerewors Competition haben, um ihre Abschlussparty zu finanzieren, andere ihr wöchtenliches Zeremoniell auf dem Sportplatz vollführen, demonstriert eine große Gruppe vor dem Parlament für bessere Studienbedingungen. Auffällig ist die Hautfarbe der Verkäufer, Performer UND Demonstranten – weiß UND schwarz.

Table Mountain

Das hektische Treiben in der Innenstadt steht dem Leben in Berlin nichts nach. Schausteller, Models, Hippies (oder wie wir in Deutschland sagen: Alternative – worin auch immer das begründet sein mag), Wegelagerer und Bettler. Im Park liegen Besucher schlafend auf der Bank, die Außensitze der Cafes sind überfüllt und die Touristen holen recht freizügig ihre Kameras heraus. Im Cafe bedienen mich mosambikanische Einwanderer.

Lions Head

In Kapstadt ist es durchaus möglich zu Fuß in die Innenstadt zu gehen, ohne gleich ausgeraubt zu werden. In Pretoria und Johannesburg geht das auch, aber wie unser Fußballkaiser Franz B. schon sagte: “am besten im Rudel”. Ganz so ist es auch nicht, aber die beiden Städte verlangen viel Aufmerksamkeit und Vertrauen zum allgemeinen Treiben. Schade eigentlich, weil die meisten Touristen in Europa das historische Zentrum einer Stadt aufsuchen. Die Polizei ist überall sichtbar, selbst die Parkgebühren werden nicht den Tagelöhnern überlassen, sondern von der Stadt am Kap persönlich einkassiert. Dafür ist der Preis auch vier Mal höher als in Gauteng. Die Leute in Gauteng begründen die starke Kriminalität in ihrer Provinz mit der Nähe zu den Nachbarländern – Mosambik, Zimbabwe, Sambia, Malawi – und der Desillusionierung vieler Emigranten. Der Weg an die Küste sei zu weit und daher konzentriert sich die Gewalt im innernen Teil des Landes. Die Kapbewohner sehen die Ursache für die bessere Ordnung und Sicherheit in den Sicherheitsmaßnahmen der Provinzregierung, aber die ist eben nur gewählt von einer Bevölkerung, die geprägt ist von weltoffenem Tourimus, Servicedienstleistungen der Banken und Versicherungen, Weinbau und der Kunst. Industrieproduktion ist in Kapstadt kaum angesiedelt. Und wer keine Bildung mitbringt, kann sich allenfalls als Kellner einer illegalen Alkoholbar verdingen, die statt Oliven südafrikanischen Cabernet Sauvignon verkauft. Vielleicht spielt auch die Parnterschaft des Western Cape mit Bayern eine große Rolle bei Sicherheitsfragen und bei der Frage wie Strolche effizient vor die Tore der Stadt verbannt werden können.

Sunset Clifton Beach

Hier weht ein liberaler, kulturell offener Wind – Multikulti eben. Meine Vermieterin in der WG hat Freunde in Berlin und die Gruppe wurde auch schon von Wowi the Wowereit zum Essen eingeladen. Heute hat sich in Kapstadt die südafrikanische Gaygemeide zum Straßenfestival getroffen. Ich allerdings hab den Tafelberg bestiegen. Mal abgesehen davon, dass ich fast gestorben wäre, weil ich einfach einfach eine Stunde zu spät dran war und die Sonne spätestens ab 9 Uhr mit 30 Grad in den Hang hineinbrennt, hab ich auf dem Wanderweg neben den üblichen internationalen Touristen 6 Jahre nach meiner Erstbesteigung bemerkenswert viele Schwarze und Farbige getroffen. Es sind überwiegend junge Südafrikaner, die einen anderen Lebensstil entwickeln bzw. entwickeln dürfen, als noch ihre Eltern. Am beliebten Clifton Beach IV in Camps Bay spiegelt sich ein ähnliches Bild wieder.

University of Cape Town

Noch freier und mit noch weniger Mauern um Häuser und öffentliche Gebäude wie Unis ist es in Stellenbosch. Ein Unidorf mit Weinfarmen – wer hier studiert belegt auch Kurse in Weinkunde. Urlaub und Arbeit liegen ganz eng beieinander, was eventuell dazu führt nur noch zu arbeiten oder nur noch frei zu haben. Im Gegensatz zu Kapstadt sind die Leute in Stellenbosch weniger tätowiert. Die bemalten Mädels in der WG, deren Couch im Reihenhaus ich belege, meinen es ist ein Ausdruck für Freiheit und Weltoffenheit. Bei den Coloureds hingegen bedeutet ein Tattoo Gangzugehörigkeit, die im Gefängnis erworben wird. Viel Arbeit für Streetworker gibt es nicht nur in Köln Kalk und Berlin Wedding.

Fraternity Show at University of Cape Town

 

Thabo Mbeki at Government Office ANC

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This blog is about countries of the Southern African Development Community (SADC) regarding societies, political parties and policies. Most interest will be spent on the countries: Botswana, Malawi, Mozambique, Namibia, South Africa and Zambia.

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